Ausbildung in der Technik
„Ich habe einen neu gewonnenen Stolz.“
Silja ist 32 Jahre alt und absolviert bei der BAND die Ausbildung zur Konstrukteurin EFZ. Sie spricht über hohe Erwartungen, intensive Lernphasen und darüber, wie Struktur, Verantwortung und Coaching ihren Weg prägen.

Gefordert vom ersten Moment an
„Ich habe mich das erste Mal seit langer Zeit wieder gefordert gefühlt.“
Schon während der Abklärungszeit merkte Silja, dass sie am richtigen Ort ist. Das Umfeld sei angenehm gewesen, die Berufsbildner und Lernenden hätten sie sofort aufgenommen und ihre Fragen beantwortet.
Als sie aus Interesse einen Normenauszug und ein Fachkundebuch las, stand für sie fest: „Da wusste ich definitiv, dass ich hier richtig bin.“
Anspruchsvoller als erwartet
Vor Lehrbeginn rechnete sie damit, dass es in der Schule zunächst eher langsam vorangehen würde. Gleichzeitig erwartete sie ein hartes erstes Semester mit zwei üKs, einer davon direkt sechs Wochen.
Gut vorbereitet war sie, dennoch unterschätzte sie, wie anstrengend die Realität sein würde. Sie begann bewusst Strategien zu entwickeln, um ihre Energie besser einzuteilen.
Die Umstellung auf einen geregelten Tagesablauf beschreibt sie als persönliche Herausforderung. Unterstützt wurde sie dabei durch ein internes ADHS-Coaching sowie den Austausch mit den Berufsbildnern. Auch Anpassungen der Arbeitszeiten halfen.
Verantwortung wächst mit den Aufgaben
Bereits in der ersten Woche erhielt sie ihren ersten richtigen Auftrag. Die Aufgaben wurden laufend komplexer.
Heute bearbeitet sie selbstständig Aufträge, stellt die Abteilung bei Firmenrundgängen vor und moderiert den internen Lernenden-Kreis.
„Es wird generell wenig über die Schulter geschaut, ausser ich frage explizit danach.“
Dass man ihr etwas zutraut, habe sie früh gespürt, spätestens bei grösseren Aufgaben wie der Teilnahme an einem Business Pitch bei einem internationalen Grosskonzern.
Lernen an drei Orten
Die Kombination aus Betrieb, Berufsfachschule und üK erlebt sie unterschiedlich. Die Berufsfachschule empfindet sie als anstrengend, insbesondere als 32-Jährige unter deutlich jüngeren Klassenkamerad:innen.
Die üKs beschreibt sie als motivierend. „Da kommt man immer zurück und möchte Vollgas geben.“
Der Betrieb ist für sie ein Safe Space und ein Ort, an dem sie sich entwickeln kann. Fehler dürfen passieren, werden angeschaut und korrigiert. Ziel ist es, alle Skills zu erlernen, um im ersten Arbeitsmarkt bestehen zu können.
Mehr als eine Ausbildung
Durch die Lehre habe sich viel verändert.
„Ich habe einen neu gewonnenen Stolz.“
Sie fühlt sich sicherer, selbstbewusster und menschlich weiterentwickelt. Sie lernt täglich Neues, setzt bewusster Prioritäten und arbeitet mit ihrem ADHS anstatt dagegen.
Was nach der Lehre kommt, lässt sie offen. Produktdesign, vielleicht ein Studium, vielleicht ein ganz anderer Weg.
Entscheidend sei für sie das Umfeld. Ein Ort, an dem man gesehen wird, sich ausprobieren darf und unterstützt wird. „So wie ich das bei der BAND erleben durfte.“