Hinter dem Unglück wohnt das Glück

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Wenn eine Krankheit unerwartet das Leben auf den Kopf stellt, unterstützt die Band-Genossenschaft bei der Wegfindung – mit Hilfe beim Wiedereinstieg ins Berufsleben. Wie eine junge Frau erst nach einer schweren Prüfung zu ihrer Berufung findet.

Der Morgen startet mit dem Frühstück, aber endet immer anders. Ob eine Aktivierung zu mehr Bewegung, ein spezieller Wunsch für eine Unternehmung – wann immer möglich geht Corinne Engel auf die einzelnen Bewohner der Altersbetreuung Worb ein. «Das fällt mir nicht schwer», so die Lernende zur Fachfrau Betreuung, «denn ich habe im positiven Sinne ein ausgeprägtes Helfersyndrom.» Dieses kann die 30-Jährige an ihrer neuen Arbeitsstätte voll ausleben: «Ich lebe hier so ziemlich meinen beruflichen Traum.» Dass ihr das gelingt, ist ein Erfolg, der sich vor einiger Zeit noch nicht abgezeichnet hat.

 

Rückschlag ohne Ankündigung

Vor acht Jahren hat Corinne Engel die ersten Schritte in ihren Wunschberuf gemacht – mit einem Praktikum in einem Thuner Wohnheim, das danach zu einer Ausbildung hätte führen sollen. Doch eine schwere Krebserkrankung ändert die Pläne der damals 23-Jährigen schlagartig. «Ich musste das Praktikum abbrechen, um mich ganz auf meine Genesung zu konzentrieren», erzählt Corinne Engel. Es war eine erzwungene Pause, die sich über mehrere Jahre gezogen hat. Schritt für Schritt tastet sie sich danach wieder ans Berufsleben heran. Wie viel Belastung würde die junge Frau im Nachzug der Krankheit ertragen? Das testet sie erst bei einer spezialisierten Stiftung in Thun – und ab 2016 bei der Band-Genossenschaft, wo die IV-Stelle sie vermittelt hat

 

Nicht die beste Lösung

Bei Band durchläuft die arbeitswillige Münsingerin eine berufliche Abklärung. Welche Arbeiten die Gesundheit noch zulassen, überprüfen Integrationsfachleute mit standardisierten Testverfahren. Dazu kommen kurze Arbeitseinsätze in den verschiedenen Abteilungen. Eingeschränkt ist Corinne Engel vor allem durch die körperlichen Folgeschäden der Erkrankung; sie kann nicht mehr schwer heben. Eine Tätigkeit in der Pflege ist deshalb nicht mehr möglich.

Auch darum steht am Ende der Abklärung das Ergebnis: Eine Ausbildung zur Büroassistentin erscheint als sinnvolle Alternative. «Damit konnte ich mich aber nicht richtig anfreunden», erinnert sich die sozialbegabte Frau, «als Bürogummi konnte ich mich langfristig einfach nicht sehen.» Zudem seien die beruflichen Chancen ohne KV-Ausbildung in diesem Bereich ziemlich klein. Viel eher sieht sich Corinne Engel dort, wo sie schon Erfahrungen gesammelt hat: als Angestellte im Gesundheitswesen.

 

Fündig dank Unterstützung

Mithilfe ihrer Integrationsfachperson der Band-Genossenschaft sucht sie nach alternativen Möglichkeiten. Bei der Altersbetreuung Worb werden sie schliesslich fündig. Nach einem Schnuppereinsatz bietet ihr die Stiftung eine dreijährige Lehre an. «Das war genau das, was ich mir erhofft hatte», freut sich Corinne Engel im Rückblick. Nach Gesprächen mit der IV erklärt sich diese bereit, die Kosten für die Ausbildung zu übernehmen. Einzige Einschränkung: Die angehende Stiftin soll sich nicht auf die Pflege spezialisieren – sondern auf das Gebiet der Betreuung, um so ihre eigenen körperlichen Möglichkeiten nicht zu übersteigen.

In Kürze hat Corinne Engel das erste der drei Ausbildungsjahre zur Fachfrau Betreuung hinter sich. Den Alltag in Tagesstätte und Altersheim meistert sie gut. Zwar komme sie immer wieder in die Situation, wo sie eine Person hochheben oder stützen sollte, «das ist aber kein Problem, weil der Ausbildungsbetrieb über meine Einschränkung informiert ist und in diesen Fällen Unterstützung aufbietet.» Corinne Engel packt ihren Berufsalltag an, ohne schwer zu heben. Und ist vor allem froh, dass dank der Ausbildung weniger Gewicht auf ihren eigenen Schultern lastet.