Langer Weg in eine längere Zukunft

Koenig

Zurück ins Glück: Die Band-Genossenschaft unterstützt Menschen, die nach einem Unfall oder einer Krankheit zurück ins Arbeitsleben finden müssen. Warum es sich lohnt, dran zu bleiben, zeigt die Geschichte von Günther König. 

Er lebt ein Leben wie im Eilzug. Flink unterwegs als Postverträger, lange Bastelwochenenden unter alten Autos und in der Modellflieger-Werkstatt – und Vollgas auch im Sport, wo ihm fast der Sprung in die Handball-Nationalmannschaft gelingt. Und doch gerät der fröhlich brummende Motor auf einmal ins Stottern. Günther König verunfallt bei der Arbeit. Das war 1998, das Ende von so manch Gewohntem und der Anfang einer langen Leidensgeschichte.

 

Knieprobleme sind, was dem Berner das Leben fortan schwer machen. Sie münden in einer Operation, bei der die Ärzte das linke Knie durch eine Prothese ersetzen. Später folgt eine Meniskusoperation am rechten Knie. Für den Pöstler mit langen Arbeitszeiten auf den Beinen eine Odyssee der Schmerzen: «Irgendwann ging es einfach nicht mehr in meinem Beruf». Weil die Arbeitgeberin, die Post, keine andere Einsatzmöglichkeit für ihn findet, steht Günther König mit 50 Jahren ohne Job da.

 
 

Neuanfang mit Anlaufzweifel

In den letzten drei Monaten seines laufenden Arbeitsvertrages, von Januar bis März 2017, vermittelt die IV Günther König an die Band-Genossenschaft. Hier durchläuft der langjährige Post-Angestellte eine berufliche Abklärung. Welche anderen Arbeiten die angeschlagene Gesundheit noch zulassen, überprüfen Integrationsfachleute mit standardisierten Testverfahren. Dazu kommen kurze Arbeitseinsätze in den Abteilungen der Band-Genossenschaft – in der Elektronik etwa oder der Industriemontage.

Die berufliche Abklärung bei Band: Ein methodisch bewährter Weg, der aber für Betroffene nicht immer einleuchtend scheint. Auch nicht für Günther König, dem die Praxiseinsätze das Gefühl vermittelten, unter seinen Möglichkeiten zu bleiben. Erschwerend sei auch die psychische Belastung, die eine vorangegangene Kündigung mit sich bringt: «Ich war 30 Jahre lang ein stolzer Pöstler», resümiert Günther König. «Da fällt es einem natürlich schwer, sich auf einmal ganz neu orientieren zu müssen.»

 

Handwerk neu entdeckt

Das Resultat der dreimonatigen Abklärung: Trotz der schwierigen Vorzeichen stimmt es hoffnungsvoll. Obwohl die Beine Probleme machen – handwerklich und feinmotorisch gilt Günther König als Talent. Für den Hobby-Tüftler keine Überraschung, wie er schmunzelnd zugibt: «Die unzähligen Stunden, die ich als Junger an alten Karossen geschraubt habe, machen sich bezahlt.» Auch das Flair für Modellflieger, die der Bastler aus Mülenen im Kandertal zum Teil selber zusammenbaut, machen handwerkliches Arbeiten leichter. Noch heute zieht es ihn regelmässig in die Hänge ob Frutigen, wo er seine elektromotorbestückten Prachtstücke fliegen lässt.

Gemeinsam mit einer Integrationsbeauftragten der Band Genossenschaft sucht Günther König nach einem Praktikumsplatz, wo er sein Handwerkstalent weiter trainieren kann. Fündig werden sie bei der Haag-Streit AG. Das Könizer Unternehmen ist führend in der Montage medizinischer Geräte. Für den ehemaligen Pöstler ein Erfolg vom ersten Einsatztag an: «Das war wieder eine Arbeit, die mich erfüllt hat.»

Schnell lernt der Vater zweier erwachsener Kinder dazu, wechselt in eine Abteilung mit anspruchsvollerem Tätigkeitsprofil. Auf Anfang Oktober 2017 unterschreibt er einen Vertrag für eine feste Vollzeitstelle. Heute verbindet sein Job das, was ihm besonders wichtig ist: Eine herausfordernde Aufgabe – «meh aus nume chli schrübele» – und eine Arbeit im Sitzen, die mit der körperlichen Einschränkung im Einklang ist. Auch wenn es auf dem Weg bis dahin erst nicht so ausgesehen habe, so findet Günther König heute «Der neue Job ist das Beste, was mir hat passieren können.»