Verpacken kommt vor dem Wählen

Die nationalen Wahlen vom Oktober bedeuten vieles: Laute Politiker – aber auch stille Schaffer. Einer darunter ist Michael Koch. Gemeinsam mit anderen Mitarbeitenden der Band-Genossenschaft verpackt er das Wahlmaterial für die Berner und Könizer Stimmbürger.

Scharfe Reden, intensive Schlagabtausche, schnelle Positionswechsel: Der Wahlkampf in der Schweiz läuft auf Hochtouren. Hier drinnen, in den Räumen der Band-Genossenschaft, ist er ganz nah – und doch weit weg. Denn obwohl hier die Wahlen grosses Thema sind, arbeiten motivierte Köpfe ruhig und konzentriert. So auch Michael Koch. Der 31-Jährige steht dicht an der Maschine, die vom Stimmausweis bis zu den Wahllisten vieles automatisch in die Couverts einsortiert. Wenn die Maschine ein Couvert ausspuckt, greift er es, prüft die Zahl und reiht es auf dem richtigen Wägelchen ein. «Es ist eine tolle Arbeit», findet der junge Mann, «ich erhalte viel Verantwortung und kann etwas Sinnvolles beitragen.» Gemeinsam mit fast 40 weiteren Mitarbeitenden der Band-Genossenschaft ist er in diesen Tagen schwer beschäftigt. Während rund zweier Wochen verpacken sie die gesamten Wahlunterlagen für die 111’000 Stadtberner und Könizer Stimmbürger.

2019 steigt der Aufwand

Es ist nicht das erste Mal, dass Michael Koch die Vorbereitung zu Wahlen oder Abstimmungen unterstützt. Seit sechs Jahren verpackt Band immer wieder Stimmunterlagen für die Stadt Bern oder benachbarte Gemeinden. Und doch ist dieses Mal einiges anders. «Wir haben es mit viel mehr Material als sonst zu tun», weiss der Band-Mitarbeiter. Zu den üblichen Wahlunterlagen kommen rund 150 Paletten mit Werbedokumenten der Parteien. Hierfür sind Michael Kochs Kolleginnen und Kollegen gefragt. Nachdem er die Couverts von der Maschine in die Wagen einsortiert hat, rollen diese eine Station weiter. An den Tischen machen sich 20 Mitarbeitende daran, die Parteienwerbung von Hand in die Umschläge einzusortieren. Erst dann sind die Unterlagen bereit für die Post, welche die Couverts vorsortiert nach Empfängerdomizil täglich abholt.

 

Das Koordinieren mit den beteiligten Partnern, neben der Post ist das die Auftraggeberin Logistik Bern, der enge Zeitrahmen für die wichtige Arbeit – all das macht den Auftrag zu einem besonderen. «Den Zeitdruck lassen wir aber nicht an unsere Mitarbeitenden mit einer Beeinträchtigung heran», sagt Markus Sonderegger, Leiter der verantwortlichen Abteilung Büro & Versand, «jeder soll hier in seinem Tempo etwas Sinnvolles leisten können.» Michael Koch legt allerdings von sich aus ein ziemliches Tempo vor. Motiviert wechselt er von der Maschine zum Wagen mit den Couverts und wieder zurück. In den zehn Jahren, in denen er bei der Band-Genossenschaft in einem geschützten Arbeitsplatz tätig ist, da ist er aufgeblüht. Wegen einer Lernschwäche hat er im ersten Arbeitsmarkt nicht Fuss fassen können, jetzt läuft vieles besser. «Ich bin froh, hier eine Arbeit zu haben. Weg möchte ich nicht mehr.» Auch wenn das bedeutet, dass ihm die Maschine noch ein paar tausend Mal ein Stimmcouvert anvertraut – ein wichtiger, aber ruhiger Akt, von dem die lauten Wahlkämpfer nichts mitbekommen. 

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