Da war etwas los in den Werkstätten

Die Band-Genossenschaft engagiert sich stark in der beruflichen Bildung: Für den eigenen, aber auch den fremden Nachwuchs. Im Januar und Februar standen wieder angehende Konstrukteure aus dem ganzen Kanton an den Maschinen.

 

Da ist etwas los in den Werkstätten – es wurde gedreht, gefräst und gebohrt. Eigentlich wie immer. Nur dass hinter den Maschinen keine Mitarbeitenden der Band-Genossenschaft stehen, sondern Gäste. 15 Lernende von überall aus dem Kanton Bern, die den Beruf des Konstrukteurs erlernen. Hier bei Band durchlaufen sie ihren obligatorischen üK, kurz für überbetrieblichen Kurs. Er ist einer von drei Säulen, auf der die Ausbildung fusst: Der Lehrbetrieb, der den beruflichen Alltag abbildet. Die Berufsschule, die das theoretische Fachwissen vermittelt. Und der üK, in dem die Lernenden spezifische Fertigkeiten erlernen. Im Fall der Konstrukteure ist es das Wissen, wie die Arbeit an den Maschinen überhaupt funktioniert.

«Im Normalfall arbeitet der Konstrukteur vor allem im Büro und braucht seinen PC», so Martin Häusler, Berufsbildner Mechanik bei Band. Er entwirft am Computer Einzelteile für Geräte und Produktionsanlagen, macht technische Zeichnungen, gestaltet 3D-Modelle. «Genau darum ist es wichtig, dass der Konstrukteur erfährt, was der Mechaniker aus seinen Zeichnungen macht», sagt Kursleiter Häusler. Die handwerkliche Praxis hinter der Kopfarbeit zu vermitteln, darin liegt das Ziel des Kurses.

 

Anstrengung lohnt sich

«Wir verlangen ganz schön viel von den Lernenden», ist der langjährige Berufsbildner überzeugt. Die angehenden Fachkräfte kommen im ersten Lehrjahr in die Band-Genossenschaft, Erfahrung in der Maschinenarbeit haben sie meistens keine. «Der Eine oder Andere kommt in den ersten Stunden ins Kämpfen, das gehört nun einmal dazu. » Wenn Martin Häusler jeweils das Endergebnis anschaut, dann weiss er, richtig gehandelt zu haben. Seit rund acht Jahren führt Band den üK Produktionstechnik durch – die Evaluation durch die Teilnehmer ergibt jeweils ein «gut bis sehr gut». 

Dass der Kurs Anklang findet, hat viel mit der Organisation zu tun. In neun Tagen durchlaufen die externen Lernenden ein gut strukturiertes Programm. In dieser Zeit lernen sie den ganzen Produktionsprozess eines Produktes kennen – konkret von einem Schreibzeughalter. Diesen fertigen sie in drei Posten von je drei Kurstagen: Dazu gehören die Arbeit an der Fräsmaschine, an der Drehbank und das manuelle Fertigen mit Feile und Bohrer. «Damit wir das praktische Arbeiten erfolgreich vermitteln können, braucht es eine gute Betreuung», weiss Martin Häusler. Neben ihm und anderen Berufsbildnern steht den Teilnehmenden auch der Band-eigene Nachwuchs zur Seite. Fortgeschrittene Lernende aus den technischen Berufen unterstützen die Neulinge mit Rat und Tat.

 

Chance für Kooperationen

Angehende Konstrukteure erhalten im üK bei Band wertvolle Einsichten. Aber auch das Sozialunternehmen selber zieht daraus einen Gewinn. Beat Herren, Berufsbildner Konstruktion, sagt: «Mit diesem Angebot bilden wir eine weitere Schnittstelle zum 1. Arbeitsmarkt. » Daraus könnten sich für die eigenen Lernenden mit einer Beeinträchtigung Chancen entwickeln. «Denn der Kurs vermittelt nicht nur Praxiswissen, sondern indirekt auch Wissen über die Band-Genossenschaft selber. » Die üK-Teilnehmer würden die Erfahrung zurück in ihren Lehrbetrieb tragen, woraus sich im Laufe der Zeit Möglichkeiten für eine Kooperation ergeben könnten.

Das Engagement für die externen Lernenden bleibt ein Zusatzangebot der Band-Genossenschaft. Im Vordergrund steht die Ausbildung der eigenen Lernenden – nebst weiteren technischen Berufen bietet Band auch Lehrstellen für die vierjährige Ausbildung zum Konstrukteur EFZ an. «Wir machen die Erfahrung, dass gerade Lernende mit einer körperlichen Beeinträchtigung hier sehr gut aufgehoben sind», so Beat Herren. Diese hätten häufig eine umso grössere Stärke im abstrakten Denken – etwas, was für angehende Konstrukteure wichtiger sei als eine intakte körperliche Gesundheit. Auch wenn ein neuntägiger Praxisschnellkurs eine Chance ist, die nie umsonst ist.  

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Et voilà – das Ergebnis lässt sich sehen: ein praktischer Schreibzeughalter.