Trotz Umweg kurz vor dem Ziel: ein Interview mit Sandro Huber (Lernender im 4. Lehrjahr)

 

Sandro, du bist im 4. Lehrjahr zum Mediamatiker und schliesst diesen Sommer deine Ausbildung ab. Bist du bereits voll in den Prüfungsvorbereitungen?

Noch nicht vollends. In unserer Berufsschule, dem BBZ in Biel, profitieren wir im 4. Lehrjahr von einem Unterricht, welcher sich auf die Repetitionen der vorherigen Lehrjahre fokussiert. Somit kann ich den Unterrichtsstoff bereits während des wöchentlichen Schultages wiederauffrischen.

Wie bereitest du dich auf deine Prüfung vor?

Neben dem Unterricht in Biel, benötigt es sicherlich noch eine eigenständige Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen. Zurzeit versuche ich sämtliche prüfungsrelevanten Themen in Dokumenten zusammenzufassen. Der Unterricht, ermöglicht es mir dann, für mich unverständliche Bereiche mit den Lehrpersonen zu klären und anschliessend die Zusammenfassung zu erweitern. Zudem erlaubt mir die Band-Genossenschaft mich auch während der verfügbaren Arbeitszeit auf die Prüfungen vorzubereiten. Dies ist sicherlich ein grosser Unterschied zu anderen Firmen, welche den Lernenden kaum bis gar keine verfügbare Vorbereitungszeit unter der Woche erteilen.

Welche Prüfungen stehen dir noch bevor und was hast du schon hinter dir?

Zum Glück nur noch zwei Prüfungen. Da sich während meines Unterbruchs die Struktur des Stundenplans verändert hat, darf ich noch die LAP (Lehrabschlussprüfung) für die Fächer Informatik und Wirtschaft durchführen. Die restlichen habe ich in den vorherigen Lehrjahren abgeschlossen. Reduzieren konnte ich die Anzahl der Abschlussprüfungen auch, in dem ich ein englischsprachiges Diplom (FCE) ausserhalb der Berufsschule erfolgreich abgeschlossen habe.

Wie viel Zeit investierst du in die Prüfungsvorbereitung?

Wie erwähnt, nimmt mir der repetitive Unterricht einige Vorbereitungszeit ab. Also eigentlich bereite ich mich bereits seit Anfang des 8. Semesters auf die Prüfungen vor. Je näher dann die Prüfungen kommen, desto intensiver werde ich mich aber auch eigenständig vorbereiten. Mir persönlich ist es wichtig, dass ich mir genügend Zeit für die Vorbereitung einplane, um nicht in den Wochen vor den Prüfungen unnötig ins Schwitzen zu kommen.

Wie bist du zur Band-Genossenschaft gekommen?

« Nach dem 3. Lehrjahr musste ich aufgrund psychischer Probleme die Lehre abbrechen bzw. unterbrechen.  »

Von Therapeuten wurde mir die Zusammenarbeit mit der IV empfohlen. Da die Band-Genossenschaft eine Mediamatiker-Ausbildung anbietet, wagte ich den Schritt über diesen Umweg meine Lehre entweder neuzustarten oder fortzusetzen. Nach einem Jahr Abklärung und Arbeitstraining konnte ich ins 4. Lehrjahr starten.

Erzählst du uns etwas mehr darüber, warum du die Lehre bei dem ersten Lehrbetrieb abgebrochen hast?

Hauptsächlich war ich an einer stärkeren Depression erkrankt, die mir jegliche Motivation für die Fortsetzung der Ausbildung nahm. Erst ab dem 4. Lehrjahr war ich wieder genug fokussiert und motiviert, um die Ausbildung doch noch abzuschliessen.

Nun stehst du also trotz deinem Lehrabbruch kurz vor deinem Abschluss. Wie fühlt sich das an für dich?

« Natürlich bin ich sehr glücklich, dass ich es doch noch bis zu diesem Punkt geschafft habe. Allerdings wäre dies aber ohne hilfreiche Unterstützung durch mein Umfeld nicht möglich gewesen.»

Ich konnte aber auch nach diesen ermüdenden Monaten und Jahren einige neue Erkenntnisse und Erfahrungen ansammeln, die mir für die Zukunft, als Richtungsweiser dienen können.

Hättest du anfangs 2017 gedacht, dass du dieses Jahr deine Lehre (voraussichtlich) sehr erfolgreich abschliessen wirst?

Die Komplikationen basierten nicht auf den fachlichen oder schulischen Leistungen. Die Zweifel am Anfang und auch zwischendurch gab es eher durch, die zum Teil niedrige Präsenz oder meiner fehlenden Motivation für die Überwindung der Ängste.

Wie hat dich die Band-Genossenschaft bisher unterstützt?

Hilfreich war auf der einen Seite, das Verständnis und die Geduld für meine private Situation und auf der anderen Seite, die intensive Vorbereitung auf die Abschlussprüfung durch den ehemaligen Fachvorgesetzten Renato Furrer. Auch durch Standortgespräche konnte ich immer wieder aufs Neue beobachten, wie sich meine Lage verschlechterte oder eben auch verbesserte. Hier empfand ich immer eine hohe Hilfsbereitschaft für die möglichen Lösungswege.

Welches sind deine grössten Erfolge als Lernender bei der Band-Genossenschaft?

Die Note der individuellen Abschlussarbeit weiss ich zwar erst Ende Sommer, trotzdem würde ich dies als grössten Erfolg verzeichnen. Innerhalb von 10 Tagen konnte ich einen sehr hohen Präsenzanteil erreichen, welcher so, vor gut einem Jahr sicher nicht möglich gewesen wäre. Zugleich bin ich aber auch mit der erledigten Arbeit auf fachlicher Ebene sehr zufrieden.

Und was hat dir bisher am meisten Spass gemacht?

Am meisten Spass machten mir bisher Arbeiten, in denen ich eine Menge Selbstverantwortung übernehmen konnte. Dies waren Aufträge, die meine Arbeitsmotiviation immer wieder aufs Neue verstärkten. Solche Projekte brachten, für mich persönlich, eine etwas höhere Signifikanz im direkten Arbeitsumfeld mit. Dazu gehörten Fotoprojekte, Schulungen, Marketingaufträge oder auch Websites für Mitarbeitende der Band-Genossenschaft.

Manuel Hotz (Berufsbildner) meint du seist im Team fast wie ein «Berufsbildner». Das heisst du engagierst dich stark für die Lernenden im 1. Lehrjahr. Was bringst du den Lernenden bei?

Durch Schulungen in Programmen und im Umgang mit der Fotokamera, konnte ich den Mitlernenden ein paar neue Bereiche näherbringen und hoffentlich erfolgreich rüberbringen. Auch bei fachlichen Fragen kann ich ihnen ab und zu mal beiseite stehen.

Akzeptieren dich die Lernenden als «Berufsbildner»?

Zu den Kompetenzbereichen des Mediamatikers gehört unter anderem auch die Vermittlung von erarbeitetem Wissen an andere Personen. Mein Eindruck bisher war, dass die Mitlernenden verstehen, dass dies für beide Seiten erfahrungsreich und vorteilhaft ist.

Kannst du sagen, welches Lehrjahr das Anspruchsvollste war?

Das anspruchsvollste Lehrjahr war für mich persönlich das 3. Nicht wegen den fachlichen oder schulischen Herausforderungen, sondern da sich ab dieser Zeit meine Situation und Psyche stetig verschlechterte. Das 4. Lehrjahr war zwar in einzelnen Phasen auch sehr anspruchsvoll, doch da sich meine Lage immer verbesserte, war ich fokussierter und leistungsorientierter.

Die Grundausbildung zum Mediamatiker endet mit einer zweiwöchigen individuellen praktischen Arbeit, kurz IPA. Damit zeigen die Absolventen, dass sie während ihrer Ausbildung zu Fachleuten herangewachsen sind. Welches Thema hattest du bei deiner IPA?

Ich war sehr glücklich ein Thema wählen zu können, welches sich in einem von mir sehr geschätzten Bereich befindet.

«Für das benachbarte Wohnheim Acherli durfte ich eine neue Website kreieren. Dazu gehörte die Konzeption am Anfang, ein Fotoshooting für die Teambilder und ebenfalls einen Benutzertest der Website.»

Zurzeit befindet sich das Projekt in den letzten Vorbereitungsschritten und wird nächstens abgeschlossen.

Was war die grösste Herausforderung/Schwierigkeit bei deiner IPA?

Wie, wahrscheinlich bei fast allen Ausbildungen, ist die vorgegebene verfügbare Zeit für die IPA sehr sportlich eingeplant. Vor allem für kreative Arbeiten ist dies, eine grosse Herausforderung, da Kreativität nur schwer terminiert werden kann. Die letzten Tage der IPA waren besonders anstrengend. Ich musste früh genug für mich entscheiden, dass ich mich nicht zu sehr in die Details einarbeite, sondern, dass ich Prioritäten setze und so gut wie möglich nach Plan weiterarbeite.

Was möchtest du nach der Lehre machen? Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Nach der Lehre werde ich mich an die Berufsmaturität 2 ran wagen. Anschliessend denke ich über eine Weiterbildung an den höheren Fachschulen oder Fachhochschulen nach. Auf das Studium habe ich mich aber noch nicht festgelegt. Vermutlich werde ich mich aber in einen kreativen Arbeitsbereich begeben.

Was empfiehlst du Schulabgängern bei der Berufswahl?

Eine frühe Auseinandersetzung mit den beruflichen Zukunftsplänen. Und sich nicht nur auf einen Traumberuf festlegen, sondern auch einen Plan B oder sogar Plan C im Hinterkopf behalten.

Würdest du etwas anders machen, wenn du nochmals in die Berufswahl starten könntest?

Höchstwahrscheinlich würde ich erneut die Ausbildung zum Mediamatiker angehen. Bei der Stellenwahl würde ich mich aber etwas differenzierter umschauen.

Kannst du die Band-Genossenschaft als Ausbildungsstätte für Menschen mit Beeinträchtigung empfehlen? Warum?

Auf jeden Fall. Es bleibt allerdings trotzdem an der Person selbst, ob sie die Hilfe und Unterstützung annimmt und sich selber persönlich weiterentwickeln kann. Ein grosser Vorteil sind dabei die individuell angepassten Lösungswege für die einzelnen Lernenden.

 
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Sandro Huber, 1996, aus Thun

Breites Berufsangebot

Jugendliche und junge Erwachsene mit einer Lern- und / oder Leistungsbeeinträchtigung, finden bei uns ein Umfeld welches sie unterstützt, fördert und auf das Berufsleben vorbereitet.

Wir bilden Jugendliche mit einer Beeinträchtigung in vielen Berufsfeldern aus. In technischen Berufen wie der Mechanik und Automatik genauso wie in der Logisitk, dem Kaufmännischen oder dem Bereich Reinigung und Betriebsunterhalt. Die Integration in den 1. Arbeitsmarkt ist dabei oberstes Ziel – der Weg dahin orientiert sich an den Fähigkeiten der Lernenden. Wenn der Weg über das eidgenössische Fähigkeitszeugnis EFZ (drei oder vier Jahre) zu beschwerlich ist, gibt es oft die Möglichkeit, ein eidgenössisches Berufsattest EBA (2 Jahre) zu erlangen.