Psychische Erkrankungen: Entwicklung in der Band

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Wie haben sich die Zahlen der psychischen Erkrankungen bei der Band-Genossenschaft entwickelt? Um diese und weitere Fragen genauer zu beleuchten, haben wir vier Mitarbeitende der Band-Genossenschaft befragt.

  • Nikola Dahm, Betriebliche Sozialberatung (seit 13 Jahren in der Band-Genossenschaft)
  • Daniel Heller, Leiter Interne Dienste, Logistik & Betriebsunterhalt (seit 12 Jahren in der Band)
  • Christoph Glauser, Leitung Abklärung & Training (seit 9 Jahren dabei)
  • Andreas von Niederhäusern, Leiter Produktion, Mitglied der Geschäftsleitung (25 Jahre)
 

Aus dem Interview mit Herrn Dr. phil. Niklas Baer geht hervor, dass die effektive Anzahl an Menschen mit psychischen Erkrankungen nicht zunimmt. Im Gegensatz dazu steigt jedoch die Zahl der Berufstätigen, die aus psychischen Gründen krankgeschrieben werden. Diese Entwicklung wird auch in der Band-Genossenschaft so wahrgenommen. Daniel Heller beschreibt die Entwicklung so: «Zu Beginn meiner Anstellung hatten wir in den Abklärungen gefühlt mehr Personen mit körperlichen Diagnosen. Aus meiner Sicht hat es eine Steigerung von psychischen Erkrankungen gegeben.»

Nikola Dahm erlebte die Entwicklung folgendermassen:
«In den letzten Jahren haben sich deutlich mehr Menschen mit neurologischen Krankheiten (z.B. gesundheitliche Einschränkungen nach Schlaganfall oder Hirnblutung etc.) und auch deutlich mehr Menschen mit einer psychischen Erkrankung (wie beispielsweise Depressionen oder Psychosen etc.) beworben als in früheren Zeiten.


Die Anzahl von Bewerbungen von Menschen mit körperlichen Einschränkungen (etwa Lähmungen, Knie-, Hüft- oder Rückenproblemen) und Bewerbungen von Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen (wie Down- Syndrom oder weiteren Geburtsgebrechen) erscheinen seither eher rückläufig. Mein Eindruck ist, dass heute insgesamt  mehr Menschen mit psychischen Erkrankungen berufliche Integration, geschützte Arbeitsplätze und Tagesstrukturangebote suchen und wahrnehmen.»


Auf die Frage, ob es spezielle Kenntnisse zur Betreuung von Lernenden, Klienten oder Arbeitnehmenden mit psychischen Erkrankungen braucht, antwortet Andreas von Niederhäusern: «Dies ist absolut notwendig. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass unsere Führungskräfte ein breites Wissen bezüglich Krankheitsbilder haben. Agogische Weiterbildungen werden stark gefördert und verlangt. Die Gruppenleiter. die unsere Mitarbeitenden betreuen, sind enorm gefordert. Einerseits wollen wir unsere Mitarbeitenden nicht über-, aber auch nicht unterfordern.

Da ist viel Menschenkenntnis und Fingerspitzengefühl
gefragt.» Christoph Glauser beschreibt dies so: «Da die Beeinträchtigung von aussen meist nicht sichtbar ist, braucht es Kenntnisse, wie verschiedene psychische Erkrankungen «innen» wirken können und welcher Umgang bei den verschiedenen psychischen Problemen förderlich und welcher eher hinderlich ist (arbeitspsychiatrische Kenntnisse).

Um Menschen mit psychischen Problemen gut begleiten zu können, muss sich die Begleitperson stark und tief mit sich selber auseinandersetzen, sich ihrer Haltung bewusst und klar sein sowie vorurteilsfrei wahrnehmen können, also Stärken in Selbst- und Sozialkompetenzen haben. Auch wird die Kooperation mit Ärzten und Behörden wichtiger und zunehmend muss die Bezugsperson zwischen den verschiedenen Beteiligten «übersetzen», dies braucht neben kommunikativen Fähigkeiten auch Kenntnisse über diese Stellen.»

Ob sich die psychischen Beeinträchtigungen auf die Planung der Arbeit auswirkt, empfinden die Befragten unterschiedlich. Daniel Heller: «Nicht grundsätzlich, es kommt ganz auf die Person an. Wir haben in der Abteilung Personen mit einer psychischen
Beeinträchtigung, die sehr stabil und dadurch gut planbar sind. Auf der anderen Seite haben wir auch Personen mit einer körperlichen Beeinträchtigung, die überdurchschnittlich viel Fehlzeiten aufweisen.» Christoph Glauser: «Da die Menschen weniger konstant sind, hat dies einen grossen Einfluss auf die Planung der Arbeit. Viele Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen haben sehr ausgeprägte gute Fähigkeiten, Arbeiten zu erledigen, wenn sie denn da sind.» Nikola Dahm: «Aus meiner Sicht nicht. Andere Erkrankungen (wie Grippe etc.) oder Unfälle sind genau wie eine möglicherweise vorhandene schwankende Belastbarkeit einer Person mit einer
psychischen Erkrankung ebenfalls nicht planbar. Die Mitarbeitenden in den Abteilungen haben unterschiedliche gesundheitliche Einschränkungen, Stärken und Fähigkeiten. Die Arbeit sollte daher aus meiner Sicht unabhängig von der Art der Erkrankung kontinuierlich planbar sein.»